BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Es war einmal...

... eine Streuobstwiese, so wie im Märchen

Im Nov. 2005 erhalten wir von der Unteren Naturschutzbehörde Post. Hier wird uns eine „wilde“ Wiese im Rahmen eines Wiederherstellungsverfahrens angeboten. Der bisherige Besitzer hat durch Pferdehaltung die Streuobstwiese dem Verfall preisgegeben. Er selbst kann und will die biotopaufwertende Maßnahme nicht durchführen. Der BUND soll sie daher bekommen!

Nach einigen Wiesenbesichtigungen mit vielen Meinungen („Viel  zu tun!“) entscheiden wir uns für die traumhaft gelegene Wiese in Niederdünzebach (3.2.06).

Da haben wir aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Vom Rechtsanwalt erhalten wir Post (8.5.06), wir sollen alle Übertragungskosten tragen. Unser Vorschlag max. 70 Euro Anteil zu bezahlen wird angenommen. Herr M. ist wohl knapp bei Kasse (6.7.06).

Wieder Post vom Rechtsanwalt! Die Tochter des Besitzers möchte ein Betretungsrecht erhalten. Sie möchte mit dem Liegestuhl auf der Wiese sitzen. Ich kläre das mit RA Harmony. Ein uneinsichtiger Mensch und schlecht drauf! Wir lehnen es ab (21.8.06).

Am 19.9.06 schreibt uns Herr M., dass die Tochter auf das Betretungsrecht verzichtet und wir die Beurkundung veranlassen können.

Langsam wird alles lästig und langweilig. Der Rechtsanwalt von Herrn M. ist wohl inzwischen abgesprungen. Herr M. macht seinen Schriftverkehr jetzt selbst, was wir ohnehin die ganze Zeit getan haben.

Am 20.12.06 kommt endlich ein Vertrag zur Durchsicht. Nach Beratung mit unserem Anwalt vom Landesverband geben wir noch einige Änderungen zu Papier (20.2.07). Am 23.3.07 erhalten wir vom Notar Post und können endlich zur Tat schreiten!!!

Im Mai erfolgt dann unter Teilnahme von Joachim M. und Heide Tilgner der Notartermin.

Hierbei werden plötzlich erhebliche Belastungssummen im Grundbuch festgestellt! Selbst der Notar ist sprachlos.

Es wurde vereinbart, diese erst zu löschen bevor der BUND im Grundbuch eingetragen wird, andernfalls platzt die Sache.

Am 1.10.2007 hat die unendliche Geschichte ein glückliches Ende. Wir sind Eigentümer.

Mit viel Geduld und Zeit können wir dieses Thema beenden und zu neuen Taten schreiten.

Heide Tilgner
6.10.2008

15. März 2008

Endlich geht es los! Nach mehreren Anläufen, mit der Feuerwehrjugend Niederdünzebach einen gemeinsamen Termin zu finden (mal konnten sie nicht, mal konnten wir nicht), beschließen wir, erst mal alleine loszulegen. Es ist der letztmögliche Tag für notwendige Heckenschnittarbeiten im Frühjahr, danach ist – zumindest für uns als Naturschutzverband – erst mal Schluß mit solcherart Eingriffen in die Natur (Beginn der Brut- und Setzzeit) und daran wollen wir uns halten im Gegensatz zu manchen Behörden und Privatpersonen.

Wir, das sind zunächst 8 Mitglieder des BUND-Kreisverbandes Werra Meißner. Treffpunkt an der Niederdünzebacher Kirche, 10 Uhr, bei schönstem Sonnenschein und frühlingshaftem Vogelbalz. Die Stare sind hier schon zurück, überall sich aufplusternde Piepmätze, um den Weibchen mit ihrem schönsten Gesang zu imponieren, manchmal schon mit Federchen oder Ästchen im Schnabel als Beweis für ihre „bauherrlichen“ Fähigkeiten.

Nach kurzem Genießen der Frühlingsstimmung brechen Andrea, Helga, Wolf, Adelheid, Ina, Elke, Paul und Johanna ein wenig desorientiert auf, denn Thomas als der einzige Kenner des wirklich wahren Weges ist leider wegen Wasserschadens ausgefallen.

Dennoch finden wir mit Fragen und leicht umwegig unsere Wiese, herrlich am Waldesrand etwas hangaufwärts oberhalb des Dorfes liegend – sonnenüberflutet.

Nach einer kurzen Einführung von Wolf – gewissermaßen als Startschuß – werden die Arbeiten des heutigen Tages und die mitgebrachten Werkzeuge verteilt: Die Einfahrt auf die Wiese muss wieder traktorgerecht hergestellt und freigeschnitten werden, ebenfalls muß die  - die Wiese umgebende – Hecke zurückgeschnitten werden, jedenfalls in einigen Bereichen. Das ist mit der Entfernung des alten Zaunes (Stacheldraht und Maschendrahtzaun) als Programm für den heutigen Tag schon nicht zu schaffen, wie uns am Ende des Tages dann auch endgültig klar ist, dass wir eine lohnenswerte, aber auch fast „herkulische“ Arbeit übernommen haben.

Schnell bilden sich 2er und 3er Teams, die sich bienenfleißig den Hang hocharbeiten. Eine reine „Frauenbrigade“ hat sich den Zaun an der linken Seite vorgenommen:  Adelhid mit Astschere vorneweg, um die Entfernung des Drahtes überhaupt zu ermöglichen, Elke und Johanna mit Eimer und Zange hinterher, um den Zaun zu lösen und Ina zerrt ihn dann schließlich zu großen Haufen und Rollen auf die Wiese.

Ähnlich arbeiten sich Helga und Andrea rechts am Zaun hoch, der z.T. allerdings stärker eingewachsen ist. Später stoßen zu den Beiden dann noch Renate und Alf ( mit großem Hund) dazu.

Paul und ich machen uns mit Motorsäge über den Freischnitt der (ehemaligen) Einfahrt über den die Wiese rings umgebenden Graben her. Der anfallende Baumschnitt wird gleich im untersten Zipfel der Wiese von Paul schön aufgestapelt als Totholz- und Benjeshecke. Dort landet auch der Frauen-Heckenschnitt.

Bei den Arbeiten entdecke ich immer wieder, wie viel pralles Leben schon jetzt auf der Wiese herrscht – wie wird das erst nach Wiederherstellung sein! Ich entdecke 2 Spechthöhlen (in toten Bäumen), sehe Bussarde und Falken kreisen, entdecke einen Wildwechsel im weichen Wiesenboden diagonal den Hang hoch, Spechte klopfen, ein Grünfink singt. In einem Baum hängt ein Nistkasten, allerdings bisher ohne Besatz. Wer hat ihn wohl aufgehängt? Später erfahre ich von einem Spaziergänger, dass es in Niederdünzebach einen Vogelschutzbeauftragten gibt – Namen  habe ich wieder vergessen. Wir sollten Kontakt zu ihm aufnehmen! Überhaupt gewinne ich den Eindruck, dass diese Wiese beliebtes Ausflugsziel ist. Wir hören mehrfach Bedauern über deren schlechten Zustand und Freude, dass nun was passiert.

Gegen halb eins ist die Luft erst mal raus und wir machen Picknick mitten auf der Wiese auf einem umgestürzten Baum und mitgebrachten Decken. Nach harter Arbeit schmecken Kuchen, Ahle Wurscht, Brot und Brötchen mit Kaffee und Tee richtig gut.

Zum ersten Mal wird mir jetzt auch die unbeschreiblich schöne Lage bewusst mit Blick über das Eschweger Becken, zur Linken ganz nah die so rund und prall daliegenden Leuchtberge und schräg rechts am Rande der Ebene, schon den Hang hinauf, Schloß Wolfsbrunnen. In der Ebene strukturreiche Acker- und Wiesenflächen, ab und zu mal ein Baum oder eine Buschgruppe – umso wichtiger, dass wir diesen so artenreichen Lebensraum „Streuobstwiese“ erhalten und wiederherstellen. Wir haben zusätzlich das Glück, dass unsere Wiese rings umgeben ist von einer dichten Hecke, mit einigen hohen Eichen durchsetzt – zusätzlicher Lebensraum!

Frischgestärkt geht’s nach der Pause weiter, bis wir dann um 15.00 Uhr endgültig Schluß machen. „Ausbeute“ des Tages: Eine freigeschnittene Einfahrt, Berge von Draht, Brennholz für Paul, Pflaume zum Drechseln für Wolf und zufriedene HelferInnen.

Schade, dass die Jugendfeuerwehr nicht dabei war, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Arbeit ist noch reichlich da. Die Jugendlichen wollen sich später mal für den Umweltpreis bewerben mit diesem Projekt.

Ausblick:

Als nächstes sollte die Einfahrt planiert werden, damit wir mit dem Traktor auf die Wiese kommen. Dann könne wir an die Entfernung des Totholzes auf der Wiese gehen, der Bauer mit seinem Kreiselmäher sollte dann im Laufe des Sommers mähen können.

Ebenso lässt sich der Zaun weiter abbauen, wenn kein Heckenschnitt damit verbunden ist.

Überlegen müssen wir, wie der Wiesestreifen zwischen Hecken- und Pflaumenbaumreihe – vielleicht 2m breit – rationell ohne viel Mühe freizuhalten ist.

Schön wäre eine kleine Bestandsaufnahme von allem was auf unsere Wiese so blüht und kreucht und fleucht, und wie sich das über die Jahre hinweg entwickelt. Aber so weit sind wir noch lange nicht.

Eingesetze Arbeitszeit 5 Stunden x 10 Menschen = 50 Stunden.

Für das nächste Mal mehr Werkzeuge,vor allem Beißzangen mitbringen!

Wolf
17.03. 2008

11.Oktober 2008

Die Sonne scheint, der Herbst der lacht -

er hat die Bäume bunt gemacht.
Mit Werkzeug, Kuchen, Saft und Tee,
zieht er nun los – der BUND.
An diesem wunderschönen Tach
lockt uns die Wiese in Niederdünzebach.

...mit Motorsäge
und Körperkraft
rückten wir den schon
halbvermoderten toten
Obstbäumen zu Leibe...

... und über uns flogen
die ersten Kraniche ihrem
Winterquartier entgegen.

...ungeachtet der Gefahr
für Leib und Leben
kämpften wir uns durch die
alles umschlingenden’
Dornenranken von Brombeeren
und Wildrosen, um den völlig
eingewachsenen Stacheldraht und
Maschendrahtzaun zu entfernen.

Die Arbeit lassen wir mal ruhn
- es gibt auch noch was anderes zu tun:
Essen, Trinken, Schnuddelei,
denn bald schon ist der Herbst vorb.
In den letzten Sonnenstrahlen
wir uns auf der Wiese aalen.
Der kalte Winter kommt im Nu
- da lassen wir die Wies´ in Ruh!

Renate
HeLi 13.10.08


 

Quelle: http://www.bund-wmk.de/themen_und_projekte/unsere_streuobstwiese/eine_art_tagebuch/